Muttergebundene Kälberaufzucht
bei Milchvieh

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4 Fütterungsaspekte

4.1 Fütterungsaspekte bei der Kuh

: frisst weniger?

4.2 Fütterungsaspekte beim Kalb

(b5) – ad lib. Milch → Gewicht, Schrotaufnahme, Durchfall. Tierindividuelle Unterschiede in Milchaufnahme (b8) – Gruppenaufzucht führt zu schnellerer Gewichtszunahme nach dem Absetzen als einzelaufzucht

4.2.1 Milch, Milchmenge, (Kolostrum)

Wenn die Kälber bei der Mutter bleiben, können sie natürlich so oft und so viel Milch trinken wie sie wollen. Bei Fleischrassen ist die vom Kalb aufgenommene Milchmenge durch die Milchleistung der Mutter begrenzt (Limousin: 2100 kg FCM, Fleischfleckvieh 4000 kg FCM, d.h. ca. 12,8 kg / Tag, bei ziemlich persistenter Laktationskurve (f- 0Milchleistung-Mutterkühe)). Bei Milchrassen können die Kälber ziemlich „ad libitum“ trinken. Berichten von Landwirten zufolge trinken die Kälber aber meist nicht mehr als im Mittel 12 Liter täglich, so dass die restliche Milch noch gemolken werden kann. Zu ähnlichen Verzehrsmengen kommen auch per Nuckel ad libitum gefütterte Kälber im Alter von 4 bzw. 5 Wochen (s8, f4). (Aus dem offenen Eimer werden nur 8 kg gesoffen (s8)). Jedoch fressen ad libitum getränkte Kälber deutlich weniger Schrot und Rauhfutter (16%) als die „konventionell“ getränkten (Milchmenge: 10% des Körpergewichtes). Nach dem Absetzen am 42. Tag glichen sich die aufgenommenen Futtermengen an, jedoch behielten die ad libitum getränkten Kälber einen Gewichtsvorsprung von 8 kg am 63 Lebenstag (89 kg LG)(f4).

4.2.2 Milchentwöhnung

Ein Problem bei der Aufzucht an der Mutter kann die Entwöhnung von der Milch bzw. die Trennung von der Mutter darstellen. Es kann evtl. hilfreich sein, die Kälber von der Mutter zu trennen, wenn diese rindert. Dann ist die Milchzusammensetzung etwas verändert und die Kuh hat weniger Interesse am Kalb (f23), so dass sie weniger nach ihm rufen wird. Oder man versucht eine „schrittweise“ Trennung: erst nur keinen Zugang mehr zur Milch (Kalb wegsperren, so dass weiterhin ein Kontakt zur Mutter möglich ist oder dem Kalb einen „Saugstopp-Nasenring“ anbringen, dass es nicht mehr saugen kann), und einige Tage später dann auch ein echtes Trennen von der Mutter (umstallen). Bei Fleischkälbern hat ein zweiphasiges Absetzen zu weniger Rufen geführt, weniger unruhigem Herumlaufen sowie längeren Fress- und Ruhezeiten (b4).

4.2.3 Rauhfutteraufnahme

Eine frühe Rauhfutteraufnahme wird für eine frühe Pansenentwicklung gefordert bzw. gewünscht. Gerade für Biobetriebe ist wichtig, dass die Kühe später einen Großteil der Leistung aus dem Grundfutter erbringen und deswegen darauf achten, dass die Kälber möglichst früh viel gutes Heu zu sich nehmen. Einer Untersuchung von Kvasha et al. (1990) (f12) zufolge sind Kühe, die mit viel Heu in der Ration aufgezogen wurden, als Färse schwerer, können früher belegt werden, geben mehr Milch in der 1. Laktation und benötigen weniger verdaubares Protein, um ein kg Milch zu erzeugen als Tiere, die mit weniger Rahfutter, dafür mehr Milch und Schrot aufgezogen wurden.

4.2.4 Schrot

(b8) Kälber aus Gruppenaufzucht beginnen eher mit der Schrotaufnahme als einzeln gehaltene.

4.2.5 Pansenentwicklung

Aus Fütterungsversuchen ist bekannt, dass die Futterkomponenten die Pansenentwicklung beeinflussen, wobei Körner (Schrot) die Zottenbildung fördern, strukturiertes Futter (Heu, Stroh) wirkt sich v.a. auf die Pansengröße (Volumen) und die Muskulatur (Pansentätigkeit) aus. (f24, S. 60; f10). Bei reiner Milchfütterung wächst der Pansen zwar proportional mit dem Körper mit, entwickelt jedoch nur eine minimale Verdauungstätigkeit. Erstaunlicherweise kann er sich aber selbst noch nach einem Jahr Milchfütterung ziemlich rasch auf Rauhfutterverdauung umstellen (Boehncke, mdl. Mitteilung). Weil ad libitum getränkte Kälber nur eine ziemlich geringe Schrot- und Rauhfutteraufnahme aufweisen (f4, s.a. „Milchverzehr“) kann man Sorge haben, dass sich bei an der Mutter aufgezogenen Kälbern ebenfalls eine solche Tendenz mit nur langsamer Pansenentwicklung zeigt. Jedoch kann man beobachten, dass die Kälber bei der Mutter schon oft in der ersten Woche beginnen, Rauhfutter aufzunehmen (evtl. nachahmungsbedingt, f23), und auch von Kälbern aus Mutterkuhherden ist keine deutliche Pansenunterentwicklung bekannt, obwohl diese Kälber offensichtlich ähnlich viel Milch zu sich nehmen wie die an Milchkühen aufgezogenen.

4.2.6 Fütterungsintensität – Tierentwicklung